Jan-Lukas Else

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Die Deutsche Bahn: Eine Hassliebe auf Schienen

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Als langjähriger Bahnfahrer, besonders intensiv in den Jahren 2018 und 2019, war die Zugreise von Braunschweig in den Süden Deutschlands, nahe der Schweizer Grenze, stets meine erste Wahl, um meine Familie zu besuchen. Man stieg ein, verbrachte produktive oder entspannte sechs Stunden und stieg am Zielort wieder aus. Die Zeit im Zug ließ sich hervorragend nutzen: Ob für Uniaufgaben, Programmieren, Bloggen, Filme oder YouTube – oder einfach, um die vorbeiziehende Landschaft zu genießen.

Gelegentliche Verspätungen gehörten dazu. Eine Stunde später anzukommen, war meist kein Drama, es fühlte sich eher an, als hätte man 25 % der Reisekosten „gespart“, dank der Fahrgastrechte, die seit 2021 sogar direkt online geltend gemacht werden können. Ärgerlicher waren da schon eher verpasste Anschlüsse, wenn man mal nicht die direkte Verbindung gewählt hatte und am Umstiegsbahnhof in der Kälte warten musste. Doch auch das war überwiegend nur ein kurzes Ärgernis.

Auch zwischen 2022 und Anfang dieses Jahres war ich häufig mit der Bahn zwischen meinen beiden Wohnsitzen unterwegs. Die Strecke war zwar deutlich kürzer, doch die Probleme schienen sich in dieser Zeit zu häufen. Einiges war sicherlich auf notwendige Baustellen zurückzuführen, schließlich muss das Schienennetz instand gehalten werden. Anderes war jedoch weniger nachvollziehbar: Schon bei wenigen Schneeflocken kam es vor, dass man plötzlich stundenlang am Bahnhof warten musste, weil Züge ausfielen oder sich massiv verspäteten. Die anfängliche Gelassenheit wich zunehmend einem Gefühl der Ohnmacht.

Dieses Wochenende erreichte die Situation eine neue Dimension. Ich musste unerwartet in einem Hotel übernachten, da es am selben Tag keine Zugverbindung mehr zu meinem Ziel gab. Ein nicht allzu heftiges Unwetter in Berlin, Brandenburg und Niedersachsen hatte offenbar ein weitreichendes Chaos ausgelöst. Mein ursprünglich geplanter Zug hatte so viel Verspätung, dass ich mich entschied, stattdessen eine bereits zwei Stunden verspätete Verbindung zu nehmen, um wenigstens schon mal in Richtung Frankfurt zu gelangen. Bis Frankfurt summierte sich die Verspätung dann auf insgesamt vier Stunden. Der DB Navigator war dabei leider selten aktuell und zeigte mir manche Züge gar nicht erst an.

In Frankfurt am Main angekommen, hieß es dann: ab zur DB-Information. Eine Weiterfahrt nach Basel war nicht mehr möglich, und ein Taxi wäre schlichtweg zu weit und der Schlaf dahin gewesen. Doch es kam noch besser: Nach knapp einer Stunde in der Schlange, kurz vor Mitternacht, erfuhr ich, dass laut Bahn auch alle Hotels ausgebucht waren.

Glücklicherweise fand Booking.com noch ein freies Zimmer direkt neben dem Bahnhof, das sogar unter der angegebenen Preisgrenze von 120 € pro Person lag. Mal hoffen, dass es diesmal mit dem Fahrgastrechteformular keine Probleme gibt und ich das Geld fürs Hotel wiedersehe.

So konnte ich aber immerhin noch sechs Stunden Schlaf finden, am nächsten Morgen entspannt frühstücken und ein wenig vom Hotelzimmer aus arbeiten, bevor die Reise mit dem nächsten Zug fortgesetzt wurde. Dieser fuhr zwar pünktlich ab, erreichte sein Ziel aber dennoch mit einer Stunde Verspätung. Die Ironie ist kaum zu ertragen.

Es ist für mich schwer zu fassen, wie sich die Situation kontinuierlich verschlechtert. Während ich früher noch sagen konnte, dass drei von vier Fahrten ohne größere Probleme verliefen, ist es heute, wenn es hochkommt, nur noch eine von vier.

Ich fahre eigentlich unglaublich gerne Zug und ziehe es dem Auto bei weitem vor, doch Deutschland scheint einen förmlich dazu zwingen zu wollen, doch wieder auf den Mietwagen oder das eigene Auto zurückzugreifen. Das nächste Mal werde ich wohl genau das tun müssen.

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