Südtirol: Pyramidenweg in Steinegg
An einem weiteren Tag sind wir den Pyramidenweg in Steinegg gewandert. In Steinegg lag auch unser Hotel, also mussten wir nicht erst mit dem Auto anreisen. Auf knapp 6 Kilometern geht es auf einer Runde in der Nähe von Steinegg zuerst zu den Erdpyramiden, bevor es sich dann durch Täler und über Hügel durch die Landschaft schlängelt. 6 Kilometer klingen erst einmal nicht so viel, waren aber im Sommer bei ca. 30 Grad und Sonne doch recht schweißtreibend.
Die Erdpyramiden sind ein echtes Naturphänomen. Sie entstanden wohl durch die Erosion von eiszeitlichem Moränenlehm über Jahrtausende hinweg. Der aufliegende Stein schützt den Lehm darunter vor dem Regen, während das umliegende Material weggewaschen wird.
Allerdings gibt es eine Sage, die die Entstehung auf etwas andere Art interpretiert:
In Steinegg lag einst eine wunderschöne und ertragreiche Wiese, die zum Unterhalt des jeweiligen Seelsorgers über Generationen hin vom Dosserbauer bewirtschaftet wurde. Als einer dieser Bauern nach mehrmaligen Aufforderungen den fälligen Pachtzins verweigerte, sollte das Gericht Steinegg ein Urteil in dieser Sache fällen. Da keine urkundlichen Zeugnisse vorgelegt werden konnten und der Dosserbauer, obwohl er wissend war, seine Behauptungen durch einen Eidschwur bekräftigte, wurde die Wiese diesem zugeschrieben.
Der Pfarrer war bedrückt, der Dosserbauer war stolz. Doch noch am selben Tag zogen sich dunkle Wolken zusammen und machten den Tag zur Nacht. Jedermann ahnte, dass etwas Unheimliches bevorstünde. Ein Wolkenbruch prasselte nieder, Blitze zuckten, Donner rollte, so wie es Steinegg noch nie erlebt hatte.
Erst gegen Morgen schien das Unwetter allmählich nachzulassen und als der Dosserbauer das saftige Gras seiner Wiese mähen wollte, traute er seinen Augen nicht. Vor ihm gähnte ein tiefer Abgrund, aus dem nur mehr einige Erdspitzen und Schuttkegel aufragten. Gott hatte sein Urteil gesprochen, jedoch anders, als die Menschen erwarteten.

