Mit Rückenwind von Braunschweig nach Magdeburg 🚴♂️
Ich habe gestern meine wahrscheinlich längste Fahrradtour an einem Tag gemacht, seitdem ich 2017 (fitter war und) mal zu meiner Großmutter gefahren bin. Ursprünglich hatte ich gestern vor, zu wandern. Denn bei Wind macht Radfahren meist nicht so viel Bock. Bis mir dann in den Sinn kam, dass ich ja vielleicht doch den Wind für mich nutzen könnte und einfach in Windrichtung fahre, also mit Rückenwind, und auf dem Rückweg den ÖPNV nehme.
Kurz geschaut, von wo der Wind kommt – Westen – und wo ich hinfahren könnte – Osten. Im Osten von Braunschweig liegen Helmstedt und hinter der ehemaligen innerdeutschen Grenze Magdeburg. Nach Magdeburg wollte ich ohnehin schon mal, wo ich doch letztes Jahr einen Teil des Städtepartnerschaftsradwegs von Braunschweig nach Helmstedt gefahren bin.
Der Städtepartnerschaftsradweg selbst war mir aber mit über 100 Kilometern noch etwas zu weit und vor allem zu verwinkelt, da hätte ich oft Seitenwind und manchmal auch Gegenwind haben können. Erst mit Osmand gesucht und dann mit Komoot verifiziert, habe ich dann eine Route gefunden, die deutlich direkter und nur 87 Kilometer lang ist. Eine perfekte Distanz, um meinem Ziel, dieses Jahr irgendwann auch mal eine Tagesstrecke von über 100 Kilometern zu schaffen, deutlich näher zu kommen, meine Kräfte aber auch nicht zu sehr zu strapazieren.
Bis nach Helmstedt bin ich hauptsächlich entlang der Bundesstraße 1 gefahren, meist aber auf recht neuen Fahrradwegen entlang der Straße. Durch den Elm (unser lokales Mittelgebirge) ist das, trotz des Fahrens entlang der Straße (das mag ich eigentlich immer nicht so gerne), eine ziemlich schöne Route, das Wetter war auch perfekt.
Der Weg zwischen Helmstedt und Marienborn, an der Gedenkstätte vorbei, war teilweise abenteuerlich (Huckelpiste durch den Wald).
Dabei ist mir aufgefallen, wie sehr mein Eindruck der ostdeutschen Bundesländer unterbewusst von Medienklischees geprägt ist. Etwa, dass dort “nur” AfD-Wähler:innen leben würden und “alle” rechtsextrem seien. Dabei wird aber oft übersehen, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen nicht die AfD wählt und die Situation mit dem erstarkenden Rechtsextremismus genauso beängstigend findet. Mir ist das zwar bewusst, und trotzdem spüre ich dieses unbegründete Bauchgefühl. Umso wichtiger war es für mich, durch Sachsen-Anhalt zu fahren und die Realität selbst zu erleben.
Dort wurde die Wegstrecke wieder etwas flacher und nun ging es mal über Landstraßen, mal über Feldwege und gelegentlich auch mal Radwegen entlang großer Felder und durch viele kleine Orte.
In Magdeburg angekommen, bin ich dann noch etwas durch die Innenstadt geschlendert und gerollt, bevor es dann mit einem IC, der erstaunlicherweise günstiger als Regio mit Fahrradkarte war, wieder fast entlang der gleichen Strecke, nach Hause ging.
Insgesamt eine wunderschöne Tour, die mir ordentlich Spaß gemacht hat!
Von Braunschweig nach Magdeburg 🏁 87,64 Kilometer ⏱ 3:44:18 ⬆️ 639 Meter ⬇️ 660 Meter
